Die Gesundheitskarte - Lassen sich amerikanische Erkenntnisse übertragen?

Zwei Artikel in der März-Ausgabe des New England Journal of Medicine sind unter Umständen auch für deutsche Fragestellungen wie die Gesundheitskarte von Interesse.

Jha et al. beschreibt die in den USA überraschenderweise sehr geringe Verbreitung von umfassenden elektronischen Krankenaktensystemen. Folgt man den Ergebnissen der Untersuchung der Autoren, so ist davon auszugehen, dass nur 1,5% der amerikanischen Krankenhäuser über umfassende Krankenaktensysteme verfügen. Die Autoren sehen damit das Erreichen nationaler Gesundheitsziele, die auf einer Informationsinfrastruktur des Gesundheitswesens aufbauen als stark gefährdet an.622

Überträgt man diese Aussage auf hiesige Verhältnisse, so sehen die Zahlen wahrscheinlich recht ähnlich aus. Sieht man sich die stark propagierte Gesundheitskarte an, welche das Kernstück der geplanten nationalen Informationsinfrastruktur für das Gesundheitswesen bildet, die im freiwilligen Teil neben Medikationsdokumentation und Notfalldatensatz, die Basis für den Aufbau einer elektronischen Gesundheitsakte bildet, so kann auch hier letzteres erst dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn alle Krankenhäuser über die Basis für eine umfassende elektronische Krankenakte verfügen. Aber auch erst dann lassen sich viele der prognostizierten Einsparungen realisieren. Solange die Einführung elektronischer Krankenaktensysteme den einzelnen Krankenhäusern mit ihren schon heute sehr eingeschränkten Budgets überlassen wird, wird die erfolgreiche Realisation der nationalen Informationsinfrastruktur im Gesundheitswesen auf sich warten lassen. Eine erfolgreiche Umsetzung kann daher nur funktionieren, wenn gleichzeitig eine nationale Strategie zur flächendeckenden Einführung elektronischer Krankenaktensysteme in allen Krankenhäusern ins Leben gerufen wird.

In dem zweiten Artikel beschreiben Mandl und Kohane eine Umgebung, in der jeder einzelne zunehmend über allgegenwärtige Informations- und Kommunikationsmittel verfügt, etwa den PC zu Hause, das Internet-fähige Handy, das iPhone, das GooglePhone, und diese nutzt, um den Zugang zu Daten und damit auch Gesundheitsdaten zu erhalten. Die Einbindung dieser Geräte in eine Informationsinfrastruktur wird von den Endnutzern, den Bürgern, erwartet werden.

Gleichzeitig kommen mit großen Anbietern wie Google Health oder Microsoft HealthVault Anbieter von persönlichen Gesundheitsaktensystemen auf den Markt, die für einige Dynamik sorgen werden.621.

Der Bürger wird erwarten, dass die Nutzung der persönlichen Gesundheitsdaten der Gesundheitskarte genauso einfach wie die Nutzung des Internets und mit gewohnten Techniken erfolgen kann. Es bleibt abzuwarten, ob die Funktionalität des freiwilligen Teils der Gesundheitskarte diesen Ansprüchen genügen wird.

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