Screencasting - Ein Einstieg in Blended Learning

Der Einstieg in eLearning und Blended Learning ist - gerade bei der Erstellung geeigneter Materialien - für Dozenten mit einer Reihe von Risiken verbunden, die sich oft als Barrieren erweisen. Vielerorts finden sich Aussagen zu dem sehr hohem Aufwand bei der Erstellung von online-Lehrmaterialien. Daher sind besonders Vorgehensweisen interessant, die solche Risiken minimieren. Als Risiken werden oft genannt:

  • Hoher Aufwand bei der Erstellung der eLearning Materialien
  • Hoher Zusatzaufwand, wenn die Technik versagt
  • Hoher Zusatzaufwand, dessen Ergebnisse nicht nachgefragt werden
  • Hohe Einstiegskosten
  • Mangelnde technische Ausstattung der Studierenden


Diese Risiken können durch den Einsatz von Screencasting minimiert werden.
Screencasting würde es dem Dozenten ermöglichen, bei minimaler Veränderung seiner herkömmlichen Vorlesungen schnell eLearning Materialien zu erstellen.

Was ist Screencasting?

In seiner einfachsten Form bedeutet Screencasting die Aufzeichnung dessen, was auf dem Bildschirm des Dozenten geschieht zusammen mit dem gesprochenen Wort des Dozenten. Es handelt sich also nicht um eine Videoaufzeichnung der Vorlesung über eine gesonderte Kamera. Zunehmend setzen Dozenten in ihren Veranstaltung Notebook und Beamer ein. Beim Screencasting wird während der Veranstaltung etwa die Powerpoint-Präsentation oder Programmvorführung durch ein auf dem Rechner des Dozenten installiertes Programm aufgezeichnet. Gleichzeitig werden während der Aufzeichnung die Worte des Dozenten über ein an den Rechner des Dozenten angeschlossenes Mikrophon festgehalten. Im Anschluss an die Vorlesung wird die Aufzeichnung bearbeitet und als Datei zum Herunterladen oder Ansehen im Internet angeboten. Im vorliegenden Fall wird dies über die Einbindung in die an der FH Frankfurt eingesetzte Lernplattform Moodle realisiert. Genau genommen geht Screencasting noch etwas weiter, da hiermit auch Dienste verbunden werden, die es erlauben, etwa alle Screencasts eines Dozenten zu subskribieren, so dass diese automatisch heruntergeladen werden können. Definitionen.

Vorteile des Screencastings für den Dozenten

Ein solcher Ansatz minimiert den Aufwand bei der Erstellung der eLearning Materialien. Zu Beginn der Veranstaltung wird das Aufzeichnungsprogramm gestartet, danach wird wie bisher gearbeitet. Zum Ende der Veranstaltung wird dann das Aufzeichnungsprogramm beendet. Aufwand entsteht lediglich bei der Bearbeitung der Aufzeichnung, etwa Schneiden unerwünschter Inhalte und Aufbereiten für das Web. Dieser Aufwand hält sich allerdings in Grenzen.

Falls die Aufzeichnungstechnik einmal versagt, kann wie bisher weiter gearbeitet werden. Es kommt zu nur geringen Störungen der Veranstaltung. Allerdings würde dann die Aufzeichnung fehlen, diese könnte aber zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Vorteile für den Studenten

Vorlesungen, die etwa aus Krankheit oder familiären Anlassen nicht besucht werden konnten, können so jederzeit angesehen werden. Ferner können die aufgezeichneten Vorlesungen als Prüfungsvorbereitung oder zum Vervollständigen von Mitschriften verwendet werden. Weitere Vorteile ergeben sich dadurch, dass die Lernenden die Möglichkeit haben, anhand der Steuerung des Abspielens der Aufzeichnungen ihr Lerntempo selbst zu bestimmen, indem sie diese entweder anhalten, wiederholen, Abschnitte überspringen oder selektiv Lerninhalte ansteuern. Hier ergeben sich insbesondere für Nichtmuttersprachler zusätzliche Vorteile.

Didaktische Vision

In den auf die Aufzeichnung folgenden Semestern könnten die Inhalte der Vorlesungen dann vorausgesetzt werden, dieser Aspekt gewinnt gerade in Hinblick auf den hohen Anteil des in der Beschreibung der Bachelor- und Masterstudiengänge geforderten Selbststudiums eine hohe Bedeutung. Die Präsenzzeiten könnten dann eher mit den Studierenden interagierend für die Gestaltung von Workshops, Diskussionen von Fallstudien, etc. verwendet werden, wodurch insbesondere der Praxisbezug verstärkt werden kann. Mittelfristig kann also die durch die Reduktion des Aufwandes für das Referieren gewonnene Zeit in eine intensivere Betreuung und individuelles Mentoring der Lernenden investiert werden. Durch die Einbindung der Aufzeichnungen in die Veranstaltung kann die Nachfrage direkt gesteuert werden, wodurch das Risiko des Dozenten einen überflüssigen Aufwand zu betreiben verringert wird.

Vorteile aus Sicht der Hochschule

Das Angebot auf Vorlesungen aus dem Internet zugreifen zukönnen, wäre ein weiterer Beitrag zu einer familienfreundlichen Hochschule. Hinzu käme, dass u. U. behinderte Studenten nicht notwendigerweise an allen Vorlesungen teilnehmen müssten. Gerade bei berufsbegleitend Studierenden ergeben sich immer wieder Situationen, wo diese etwa nach durchgearbeiteter Nachtschicht dennoch zur Vorlesung erscheinen. Der Lernerfolg ist in solchen Fällen wahrscheinlich eher gering anzusetzen. Hier wäre es günstiger, diese Vorlesung zu einem anderen Zeitpunkt über das Internet nachzuholen.

Die aufgezeichneten Vorlesungen wären ein weiterer Schritt zur Stärkung des eLearning-Angebots der Hochschulen. Durch die einfache Erstellung von Vorlesungsaufzeichnungen, könnten schnell Inhalte erstellt werden, die in das bestehende Angebot integriert werden könnten.

Anforderung aus studentischer Sicht

Zum Ansehen eines solchen Screencasts ist seitens derStudenten lediglich ein Rechner mit Internetzugang erforderlich. Zusätzliche kostenpflichtige Software ist nicht erforderlich. Hierbei wäre allerdings ein schneller Zugang zum Internet von Nutzen. Gegebenenfalls könnte im Rahmen von Kooperationen mit der Hochschule zukünftig das Angebot eines Vorlesungsservers erwogen werden, damit auch Studenten ohne entsprechende eigene IT-Infrastruktur einen Zugriff auf gespeicherte Vorlesungen erhalten könnten.

Basierend auf den obigen Überlegungen wurde an der FH Frankfurt im WS 2006/07 ein Projekt initiert, in dessen Rahmen Methoden und Techniken des Screencastings erprobt werden sollen.

Projektantrag

 

 

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